Reisender Reetdachdecker repariert Schafställe

Ausbesserungsarbeiten im Museumsdorf Hösseringen

Dachdeckerarbeiten am Außenschafstall aus Bohlsen im Museumsdorf Hösseringen.

Foto: Museumsdorf Hösseringen


Jedes Jahr so etwa um dieselbe Zeit kommt Olaf Zander, Reetdachdecker im Reisegewerbe, in das Museumsdorf Hösseringen und schaut dort nach dem Zustand der mit Reet gedeckten Dächer. Und immer ist etwas zu tun - meist mehr, als das Budget des Museumsdorfes gerade hergibt. So auch in diesem Jahr: Das Dach des Hofschafstalles beim Brümmerhof war an etlichen Stellen marode, aber auch Dachteile des Außenschafstalles in der Heidefläche mussten dringend erneuert werden. Kurzerhand wurde bei beiden Gebäuden die Wetterseite in Angriff genommen. „Dass Dächer repariert und ausgebessert wurden, war früher der Normalzustand“, erläutert Olaf Zander. „Komplett neue Dachflächen waren die Ausnahme und meist nur bei Neubauten zu finden. Die Menschen waren sparsam und haben immer wieder geflickt, und das sah man den Dächern auch an. Heute wird viel zu schnell alles neu gemacht.“ Das müsse aber gar nicht sein – und so kommt es, dass beide Schafställe nun halbseitig neu gedeckt sind. Und weil Olaf Zander und seine Leute immer auch einen Blick über das Dach hinaus auf die Konstruktion werfen, entdeckten sie, dass am Außenschafstall zudem einige Balken zu reparieren waren. Das wurde bei dieser Gelegenheit in handwerklicher Traditionsarbeit gleich mit erledigt.


Olaf Zander mit Klopfbrett – damit klopft man das Reet in die richtige Lage, es wird nicht geschnitten.

Foto: Museumsdorf Hösseringen


Olaf Zander ist im „ersten“ Beruf Schmied, hat sich dann aber doch für das Strohdachdecken entschieden. Schließlich ist es für ihn eine Familientradition, bereits in dritter Generation. „Mein Großvater war als Strohdachdecker noch bis in die Sechzigerjahre mit dem Leiterwagen unterwegs“, erinnert er sich. Faszinierend an diesem Handwerk sei für ihn auch die Nähe zur Natur. „Wenn wir kein Auto hätten, würden wir komplett klimaneutral arbeiten“, sagt er. Das Reet werde unbehandelt aus der Natur entnommen und ihr nach der Nutzung wieder zurückgegeben. Wenn seine Firma für ein Bauvorhaben einen Baum benötige, dann pflanze man wieder einen. In früheren Zeiten sei diese Art Vorsorge – über Generationen hinaus – ganz natürlich betrieben worden. Jeder Hof hatte seine Hofbäume, die für die Schweinemast, aber eben auch für spätere Bauvorhaben gedacht waren. Wo es Feuchtbiotope gab, wuchs das Reet, welches bereits seit mehr als 6000 Jahren für Dachdeckungen verwendet wird. „Das ist archäologisch nachgewiesen“, weiß Olaf Zander. Und auch, dass es früher in vielen Orten Reetdachdecker gab. „Die machten sich keine Konkurrenz, der eine war in diesem Ort zuhause und der andere in jenem.“ Stand ein größeres Vorhaben an, packten alle Nachbarn mit an.


Krumme Nadel – damit wird der Draht unter die Latte geführt. Foto: Museumsdorf Hösseringen


Der Hofschafstall stammt aus Leverdingen im heutigen Heidekreis und wurde dort 1789 errichtet. Der Außenschafstall aus Bohlsen wurde um 1850 gebaut. In beiden sammelten die Menschen den für die Bewirtschaftung der kargen Böden so wichtigen Dung der Schafe. Über der Tür des Hofschafstalles sind der Spruch „Ich bin ein guter Hirt. Ein guter Hirt lässet sein Leben für die Schafe“ sowie der Name des Eigentümers und das Baujahr „Wilhelm Frieling. Anno 1789“ eingraviert.


Mit Holznägeln angeblatteter Balken der Konstruktion des Außenschafstalles.

Foto: Museumsdorf Hösseringen


"Heute wird viel zu schnell alles neu gemacht."

Hofschafstall aus Leverdingen am Brümmerhof. Foto: Museumsdorf Hösseringen

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